BESTE FAMILIENSPIELGRAFIK 2010
GRAF LUDO HAUPTPREIS
für
Fresko

Zur Begründung der Jury:
Bis Mittag ausschlafen, ein bisschen mit dem Pinsel da oder dort etwas hintupfen… So stellt sich mancher das Künstlerdasein vor. Von wegen! Freskenmaler zur Renaissance-Zeit zu sein, das war kein Honiglecken. Der Domherr will schließlich Ergebnisse sehen. Im wahrsten Sinn des Wortes. So müssen sich die beteiligten Maler ihren Tag sehr gut einteilen. Farben einkaufen, Farben anmischen, und damit einen weiteren Abschnitt des großen Deckengemäldes vor den Konkurrenten fertigstellen. Durch das Spielbrett wird der Spieler förmlich in das künstlerische (Spiel-)Geschehen hineingesogen. Das gesamte Material wurde liebevoll und illustrativ aufwändig gestaltet. Jede einzelne Karte ist individuell ausgearbeitet und unterstreicht den üppigen Charakter der Grafik. Die Aufteilung des Spielbretts nimmt die zwei bis vier Spieler, bildlich gesprochen, an die Hand, und führt sie durch den Arbeitstag mit all seinen Aufgaben. Fresko bietet sehr viel Spielmaterial, aber jedes Teil hat seine unverwechselbare Ausformung und seinen fixen Platz in der Malerwerkstatt. Variabel sind hingegen die Aktionen, die den Spielern zur Verfügung stehen, um die anderen Freskenmaler auszustechen und in der Gunst des Bischofs aufzusteigen.
Oliver Schlemmer bedient sich bei seinem Arrangement aus einem reichen Fundus von Farben und Formen. Es ist viel zu sehen, in allen Ecken gibt es Dinge zu entdecken, und das Auge wird kaum müde. Wenn man sich mit diesem Spiel befasst, so empfindet man ganz bald selbst den Drang künstlerisch tätig zu werden. „Wir prämieren dieses Spiel, und natürlich in erster Linie die Grafik, aufgrund seiner überragenden Vielseitigkeit und der überschäumenden Ideenwelt aus der dieses visuelle Feuerwerk entstanden ist“, erklärt Arno Miller, Journalist aus Bregenz/Österreich und Mitglied der Jury.
Verlag: Queen Games
Autoren: Marco Ruskowski, Marcel Süßelbeck, Wolfgang Panning
Grafik: Oliver Schlemmer

Oliver Schlemmer arbeitet seit 1999 als freiberuflicher Illustrator. In den vergangenen zehn Jahren ist Schlemmer in nahezu allen grafischen Bereichen tätig gewesen, angefangen bei der Computerspielgrafik, über digitale Fotoretusche, Storyboard, CD-Artworks, Comics und Charakterdesign bis hin zu Bildern für multimediale Lernanwendungen für Kinder. Fresko ist das erste Brettspiel, bei dem Schlemmer für die komplette Grafik verantwortlich zeichnet. Für seine Arbeiten an Fresko sichtete der Künstler im Vorfeld sehr viel Material über Deckenfresken aus der Renaissance und dem Barock, um eine wirklich stimmige Szenerie für das Spielgeschehen zu schaffen. Besonders bei den Portraitkarten kamen ihm diese Recherchen zugute, da sie alle auf vorhandenen Werken basieren, ohne jedoch Kopien zu sein. Künstlerische Freiheiten nahm sich Oliver Schlemmer allerdings bei der Gestaltung des Freskos selbst, das bewusst einfacher und weniger erdrückend als viele der historischen Vorbilder gehalten sein sollte.
BESTE KINDERSPIELGRAFIK 2010
GRAF LUDO HAUPTPREIS
für
Vampire der Nacht

Zur Begründung der Jury:
„Es gibt leichtere Aufgaben als Lobreden auf Spielgrafikpreise zu schreiben, wenn es um ein Spiel geht, das im Dunkeln gespielt werden kann oder soll“ sagt Arno Miller, Journalist aus Bregenz/Österreich und Mitglied der Jury. „Da kann man die Grafik doch gar nicht sehen, möchte man verwundert ausrufen und wir als Jury können nur sagen: Stimmt kann man nicht, und es wäre auch ein Jammer, Vampire der Nacht von Rolf Vogt nur im Dunklen zu spielen.“ Denn wer das Licht anlässt wird sich der Wirkung der Grafik nicht entziehen können, die durch ihre Liebe zur gestalterischen Feinheit und die zeichnerische Raffinesse besticht.
Vielen versteckte Details machen dieses Spiel wahrlich zu einer kleinen Schatzkiste, deren Boden mit einbezogen wird. Auch erwachsene Spieler werden sich schnell hineinfinden in die Rolle des Vampirwächters, der die schutzlos schlafenden Vampirkinder auf dem Boden der Burg vor den Knoblauchzehen beschützen muss, die vom löchrigen Dachboden hinabfallen. Das gleiche gilt übrigens für den Vampirigel, von dem Jury bis vor einigen Monaten gar nicht wusste, dass er existiert. Jetzt weiß sie es, denn wir hatten das Vergnügen, das Spiel aufzubauen. Ein Vergnügen, das sich kein Spieler nehmen lassen sollte. Denn auch der Kistenrand und die Spielanleitung bieten dem spielenden Auge noch viel Abwechslung. Langeweile wird speziell dank der visuellen Umsetzung nicht aufkommen.
Und niemand, der sich auf die liebevolle Zeichnung der Burg und der darin Schlafenden eingelassen hat, wird dieses Spiel mit der routinierten Langeweile absolvieren, die Erwachsenen manchmal eigen ist, wenn sie sich von ihren Kindern zum Spielen überreden lassen.
Wohl jeder wird alles geben, um zu verhindern, dass der Knoblauch ins Burginnere gelangt und dort die Vampirkinder aufweckt. Jeder wird mit bis dahin ungeahnter Geduld Magneten über das löchrige Brett schieben, um den gefährlichen Knoblauch von der Burg zu schmeißen. Das genau ist der Verdienst der Grafik, und das genau ist der Grund, warum sich die Jury in einem hart umkämpften Prozess letztlich sehr gern auf Rolf Vogt und seine Vampire der Nacht einigte.
Rolf Vogt zeigt uns hier ein Paradebeispiel für eine gelungene, durchdachte und dennoch leidenschaftliche Spielgrafik.
Verlag: Marke „Drei Magier“ bei Schmidt-Spiele
Autoren: Kirsten Becker und Jens-Peter Schliemann
Grafik: Rolf Vogt

Rolf Vogt arbeitet seit 1987 als Spielegrafiker. Bereits das erste von ihm gestaltete Spiel „Walpurgisnacht” zeigte Vogts Affinität zu magischen Themen. Die Illustrationen für das Spiel „Vampire der Nacht“, das heißt für die Covergestaltung, den Spielinhalt und die Spielregeln, schuf Rolf Vogt in enger Zusammenarbeit mit Verlag und Autoren.



