Grafiker im Portrait – Oliver Schlemmer mit Fresko

Seit wann arbeiten Sie als Grafiker und wo kann man ihre Kunstwerke bereits bestaunen?

Ich arbeite seit 1999 als freiberuflicher Illustrator. In den vergangenen 10 Jahren bin ich in nahezu allen grafischen Bereichen tätig gewesen, angefangen von Computerspielgrafik, über digitale Fotoretusche, Storyboard, CD-Artworks, Comics und Charakterdesign bis hin zu Bildern für multimediale Lernanwendungen für Kinder. Hin und wieder gab es auch das ein oder andere im Brettspielbereich zu tun, Fresko ist aber in der Tat das erste Brettspiel, bei dem die komplette Grafik von mir stammt.

Wie haben Sie von ihrer Nominierung erfahren?

Ich wurde vom Verlag über die Nominierung informiert.

Kannten Sie den Graf Ludo schon zuvor?

Da ich bislang zwar sehr gerne Brettspiele gespielt, aber selten in dieser Richtung gearbeitet habe, war mir der Preis bis dato leider nicht bekannt. Umso mehr freut es mich, dass es ihn gibt.

Wie finden Sie die Idee eines Preises für schöne Gestaltungen?

Brettspiele haben eine lange Tradition und sind per se schon grafische Kunstwerke. Daher finde ich einen Preis, der die Gestaltung honoriert ganz fabelhaft.

Wie entstand die Gestaltung ihres Spiels?

Ich hatte die Gelegenheit den Fresko-Prototyp vor Ort bei Queengames zu spielen und schon dabei entstanden die ersten Ideen für eine mögliche Gestaltung. Nachdem die grundlegende Richtung feststand, habe ich mich eine Weile mit Recherchen zum Thema beschäftigt, um den richtigen Ton zu treffen und die Stimmung passend wiedergeben zu können, die bereits der Prototyp vermittelt hatte.

Ich habe versucht, soviel Material wie möglich über Deckenfresken, die Renaissance, den Barock, die Farben und Bildsprache dieser Epoche(n) zu sichten, damit die Grafik zum Spiel am Ende plausibel und stimmig sein würde.

Besonders bei den Portraitkarten kamen mir diese Recherchen zugute, da sie alle auf vorhandenen Werken basieren, ohne jedoch Kopien zu sein.

Künstlerische Freiheiten nahm ich mir bei der Gestaltung des Freskos selbst, das wir bewusst einfacher und weniger erdrückend halten wollten, als es die tatsächlichen Fresken aus der Zeit sind. Thematisch habe ich mich zu einem Streifzug durch die Bücher des alten Testaments entschlossen, was einerseits historisch plausibel ist, andererseits aber auch den nötigen Spielraum bei der Umsetzung lässt und vor allem bei den meisten Spielern die ein oder andere Erinnerung oder Assoziation hervorrufen könnte.

Welche Arbeitsschritte gab es?

Zu Beginn stand neben der Recherche eine ausgiebige Planungsphase. Da der Spielplan eine Fülle an Informationen enthält, war es wichtig zunächst die Einteilung und Gewichtung der einzelnen Bereiche festzulegen, ohne dabei schon an Illustrationen zu denken. Die kamen dann nach und nach in Absprache mit Queengames hinzu. Es entstand ein Wechselspiel, bei dem Ideen und Entwürfe weiter verfeinert wurden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Verlag?

Ich bin sehr froh, mein erstes “eigenes” Brettspiel bei Queengames gemacht zu haben. Die Synergie und die Arbeitsatmosphäre während des ganzen Projektes war ausgesprochen angenehm und ich denke, man merkt dies auch dem fertigen Produkt an. Obwohl es vor allem gegen Ende ein wenig stressig wurde, blieb die Motivation doch über den gesamten Projektverlauf hoch, weil alle Beteiligten wussten, dass wir es hier mit einer wirklich schönen Spielidee zu tun hatten.

Wie bewerten Sie ihre Konkurrenz im Preis?

Ich war mit der Arbeit von Victor Bode vor Tobago noch nicht vertraut, habe dies aber inzwischen nachgeholt und bin sehr von seiner Bandbreite und seinem Portfolio beeindruckt. An den Grafiken von Michael Menzel kommt man im deutschen Brettspieluniversum ohnehin nicht vorbei und das zurecht, denn seine Gestaltungen sind ganz hervorragend und stachen mir von Anfang an ins Auge. Ich bin sehr stolz darauf, mich mit ihm und Victor Bode in so hochkarätiger Gesellschaft auf der Nominierungsliste zu befinden.

Werden Sie zur Verleihung am 1. Oktober nach Leipzig kommen und zum Grafikerplausch im Anschluss an die Preisvergabe zur Verfügung stehen?

Auf jeden Fall.

Herr Schlemmer, vielen Dank für das Gespräch!