„Um positiv aufzufallen, muss man sich schon ins Zeug legen.“
Interview mit Alexander Jung – nominiert mit „Voll in Fahrt“ (Amigo) für den Graf Ludo 2011 in der Kategorie „Beste Kinderspielgrafik“. Der gebürtige Pfälzer lebt mit seiner Familie in Hamburg. Spielrunden im Freundeskreis gehören für ihn einfach dazu.
Herr Jung, Sie haben mittlerweile mehr als ein Dutzend Spiele künstlerisch gestaltet. Was hat sich aus Ihrer Sicht bei den Ansprüchen an die Grafik eines Spieles in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert?
Alexander Jung: Mittlerweile habe ich sogar das zweite Dutzend geknackt, wenn man meine Brett- und Kartenspiele addiert. Was den Anspruch an die Grafik angeht, hat sich insofern etwas geändert, dass mittlerweile auch die kleineren Verlage mehr Wert darauf legen, ein optisch ansprechendes Spiel in die Regale zu stellen. Um in dem riesigen Angebot an neuen Spielen positiv aufzufallen, muss man sich schon ins Zeug legen. Es gibt einfach sehr viele tolle Kollegen da draußen.
Gibt es so etwas wie einen richtungsweisenden Publikumsgeschmack in Sachen Spielegrafik? Und wie aufgeschlossen sind Verlage und Publikum für grafische Lösungen jenseits des Mainstreams?
Alexander Jung: Ich glaube nicht, dass es den einen Publikumsgeschmack gibt. Man sieht zwar durchaus eine Tendenz, was die Grafiken angeht, allerdings ist das meiner Meinung nach weniger dem Geschmack des Publikums, als eher der Vorsicht der Verlage zuzuschreiben. Die meisten Verlage setzen lieber auf Altbewährtes. Grundsätzlich, denke ich, wären die Spieler alternativen Lösungen gegenüber aufgeschlossener als die Verlage.
Ein im Allgemeinen guter Grafiker und Illustrator ist nicht zwangsläufig auch ein guter Spielegrafiker. Wo liegen für einen Grafiker die besonderen Eigenheiten und Herausforderungen bei der Gestaltung von Spielen?
Alexander Jung: Zunächst ist es wichtig, dass ein gewisses Verständnis für die Spielabläufe vorhanden ist. Man muss ganz klar Abstriche bei der Ästhetik hinnehmen können, wenn es das Spielverständnis erfordert.
Der „Graf Ludo“ möchte die wichtige Rolle hervorheben, die Grafik und Illustration bei einem Spiel besetzen. Welchen Anteil am Erfolg eines Spieles nimmt die Spielegrafik ein?
Alexander Jung: Meiner Meinung nach einen sehr Großen. Wenn man nicht von Vielspielern ausgeht, denen auch die Autorennamen bekannt sind, wird ein potenzieller Käufer das Spiel nur in die Hand nehmen, wenn ihn die Optik überzeugt. Wenn ein Spiel zwar gut funktioniert, aber keine ansprechende Grafik das Spielgefühl transportiert, wird es trotzdem nur in den seltensten Fällen auf dem Spieltisch landen. Um das deutlich zu machen, wäre es meiner Meinung nach auch angemessen, den Namen des Grafikers auf dem Schachtel-Cover zu nennen. Dies konnte sich bisher nur in den wenigsten Fällen durchsetzen.
Wie stark trägt die Grafik zum Verständnis und zur Akzeptanz eines Spieles bei?
Alexander Jung: Die Grafik muss eine Stimmung transportieren und es den Spielern erleichtern, sich in dem Spiel zu Recht zu finden. Wenn die Grafik das nicht schafft, wird das Spiel auch in der Gesamtbeurteilung schlechter abschneiden, da der Spielfluss unter Umständen durch die Grafik gestört wird. Von daher kann die Grafik durchaus in beide Richtungen beeinflussen.
Kann ein Spiel mit miserabler künstlerischer Gestaltung überhaupt ein Erfolg werden?
Alexander Jung: Da wüsste ich zwar einige Beispiele, allerdings liegen diese Erfolge auch schon einige Jährchen zurück. In Ausnahmefällen würde ich es aber nach wie vor nicht ausschließen, dass das auch heute noch funktionieren kann. Der andere Fall ist glücklicherweise aber wahrscheinlicher.
Wie wichtig ist für Sie die direkte Zusammenarbeit mit einem Spieleautor?
Alexander Jung: Die Zusammenarbeit mit dem Autor ist durchaus eine fruchtbare Sache. Da das bei mir aber bisher eher die Ausnahme war, kann ich jetzt nicht behaupten, dass es anders nicht funktioniert. Wenn die Redaktion einen guten Draht zum Autor hat und die Kommunikation stimmt, dann funktioniert es auch ohne den direkten Kontakt. Begrüßen würde ich es aber sehr.
Was sind die erfolgreichsten Spiele, die Sie bislang illustriert haben? Und welche Ihrer eigenen Spielegrafiken mögen Sie am liebsten?
Alexander Jung: Zu den Erfolgreichsten gehören: „Strasbourg“ (Pegasus) von Stefan Feld, welches unter die 3 Nominierten zum „Kennerspiel des Jahres 2011“ gewählt wurde, „Voll in Fahrt“ (AMIGO) von Bob Lindner, mit dem ich für den Graf LUDO vorgeschlagen wurde, „Fauna“ (Huch and friends) von Friedemann Friese, stand auf der Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2009. Persönlich gefällt mir aktuell „Strasbourg“ von meinen Spielen am Besten. Auch mit „Antigua“ (Adlung-Spiele) von Ulrich Blum und „Grand Cru“ (eggertspiele) auch von Ulrich Blum bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Ein Weiteres kommt im Herbst beim Zoch-Verlag raus. Da bin ich auch sehr gespannt, wie es ankommt, da es einen deutlich anderen Stil hat als meine bisherigen Arbeiten.
Vita Alexander Jung
- Jahrgang 1975, gebürtiger Pfälzer, lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Hamburg.
- Studium mit Diplomabschluss an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg mit dem Studienschwerpunkt Informative Illustration.
- Seit 2002 als freiberuflicher Illustrator im Buch- und Spielebereich tätig. Anfänglich fast ausschließlich Buch- und Kartenspiel-Illustrationen. Mittlerweile gehören Brettspiele zu Alexander Jungs Hauptbeschäftigungsgebieten.
- Zum Spielen (außer mit seiner Tochter) kommt der vielbeschäftigte Grafiker zwar immer seltener, aber das ändert nichts an seiner Spiele-Sammelleidenschaft. Regelmäßige D&D-Rollenspiel-Abende lässt er sich ebenso wenig entgehen, wie kleine aber feine Spielerunden im Freundeskreis.



