Knallharte Jury: Deutsche und tschechische Familien urteilen über Spielegrafik

FamilyGames lädt zu Treffen auf Kloster St. Marienthal

In diesem Jahr vergeben FamilyGames, der Spielebereich des Felsenweg-Instituts der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie, und die Leipziger Messe GmbH zum ersten Mal den “Graf Ludo” Spielgrafikpreis. Der Preis will die Aufmerksamkeit auf die Gestaltung und Verpackung eines Spieles lenken. Schließlich ist die Verpackung das erste, was Kinder und Erwachsene von einem Spiel zu sehen bekommen. Und die grafische Gestaltung von Spielbrett und Figuren entscheidet maßgeblich mit, wie gut ein Spiel ankommt. Dass Spiele tatsächlich begeistern, davon konnte sich überzeugen, wer dem Treffen deutscher und tschechischer Familien beiwohnte. Das Treffen fand am 21. bis 23. August statt.

FamilyGames hatte zur ersten deutsch-tschechischen Familienfreizeit ins Kloster St. Marienthal in Ostritz geladen. “Das ist ein Novum. Wir haben zum ersten Mal Familien aus beiden Ländern hier. Sie spielen gemeinsam Gesellschafts- und Brettspiele oder erkunden die nähere Umgebung“, sagt Dr. Annett Schröter, Spielleiterin am Felsenweg-Institut. Sprachbarrieren waren an dem Wochenende kein Problem. “Die Kinder verständigen sich sowieso durch Gesten und über das Spiel. Und die Erwachsenen können entweder Englisch, oder es wird Deutsch gesprochen“, so die Mitarbeiterin.

Unterschiede gab es trotzdem, vor allem bei der Vielzahl der hierzulande angebotenen Spiele. “Die breite Palette der verschiedenen Spiele und Spielarten oder die Vermischung von Brett- und Kartenspielen gibt es in Tschechien derzeit noch nicht“, erläutert Annett Schröter. Allerdings befände sich der Spielemarkt derzeit im Aufbruch. Mit Czech Games Edition etwa gebe es einen sehr engagierten Verlag, der preisverdächtige Spiele in den Markt gebe. Gespielt würden in Tschechien dennoch vor allem die Klassiker wie Schach oder Dame. “Natürlich kann man über das Internet oder den Handel spezielle Spiele bestellen. Dazu muss man aber erst einmal wissen, welche Spiele es gibt. Und genau dafür veranstalten wir solche Treffen“, so Schröter.

Spiele im Familientest

Der Familienfreizeit verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Denn die Familien dürfen die jeweils zehn nominierten Spiele in den Kategorien “Beste Familienspielgrafik” und “Beste Kinderspielgrafik” bewerten. Aussehen, Gestaltung der Verpackung und des Spiels selbst mussten auf einer Stimmkarte mit Sternen bewertet werden. Die siebenjährige Nele aus Dohna zeigt dabei mit wichtiger Miene auf “Nicht zu fassen” vom Zoch-Verlag und sagt überzeugt: “Das hier gewinnt.” Mutter Sylvene Zimmermann stimmt zu: “Das ist niedlich, vor allem auch wegen des Wolfes als Fingerpuppe.” Für Katerina aus dem tschechischen Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) war dagegen “Burg der 1000 Spiegel” von Kosmos sehr interessant. Auch ihre Mutter Marketa Puzrlova ist begeistert von der farbenfrohen Gestaltung und der Spielidee: “Wir spielen sonst sehr gern ‘Die Siedler von Catan’.” Aber auch Scrabble hätte der Familie schon so manch verregneten Nachmittag gerettet.

Das Urteil der Kinder und Eltern hat Gewicht, wie Johannes Ebermann, Projektkoordinator für den Spielegrafikpreis “Graf Ludo” erläutert: “Die Bewertung ist eine zusätzliche Jurystimme. Wenn bei der Abstimmung der Jury etwa zwei Spiele gleichauf liegen, entscheidet das Urteil der Familien über Sieg oder Niederlage.”

Die Kinder und ihre Eltern spielen und testen vor der atemberaubenden Kulisse des Klosters St. Marienthal mit direktem Blick auf die Neiße ausgiebig. Zehn Spiele sind in den Kategorien “Beste Familienspielgrafik” und “Beste Kinderspielgrafik” nominiert. Jeweils drei kommen bis Anfang September in die engere Auswahl. Die Gewinner in beiden Kategorien werden am 2. Oktober auf der modell-hobby-spiel bekannt gegeben.